Dietrich Bonhoeffer lebendig werden lassen – Begegnungslernen mit Katharina Kennemann

Eine außergewöhnliche Begegnung erlebten die katholischen und evangelischen Religionskurse der 10. Klassen unseres Gymnasiums mit Katharina Kennemann, einer Urgroßnichte Dietrich Bonhoeffers. Im Rahmen eines Begegnungslernens berichtete sie über ihre Familie, die Erinnerung an den bekannten Theologen und Widerstandskämpfer sowie über die Bedeutung seines Vermächtnisses für die Gegenwart.

Katharina Kennemann ist die Enkelin von Eberhard Bethge, einem engen Freund, ebenfalls Pfarrer und Theologe, und Biograf Dietrich Bonhoeffers. Ihre Urgroßmutter war Bonhoeffers Schwester, die sie noch persönlich kennenlernen durfte. Dadurch entstand für die Schülerinnen und Schüler eine besondere Nähe zu einer historisch bedeutsamen Persönlichkeit, die sonst meist nur aus Schulbüchern bekannt ist.

Anschaulich erzählte Frau Kennemann von ihrer heute weltweit verstreut lebenden Verwandtschaft und brachte ein besonderes Familienfoto mit: Darauf sind unter anderem ihre Urgroßmutter Ursula und Dietrich Bonhoeffer als Kinder zu sehen. Katharina Kennemann sprach über die Bedeutung der Familie für das Handeln Bonhoeffers, der seine Familie hinter sich wusste. So erzählte sie beispielsweise, wie insbesondere angehörige Frauen seine Schriften und damit seine Gedanken aus dem Gefängnis schmuggelten, verwahrten und sie nach dem Krieg der Öffentlichkeit zugänglich machten. Durch solche persönlichen Einblicke wurde Geschichte greifbar und lebendig. Auch einige Anekdoten, die bis heute in der Familie weitererzählt werden, ließen die Schülerinnen und Schüler einen neuen Blick auf den Menschen Dietrich Bonhoeffer gewinnen, der für seine Überzeugungen und seinen Widerstand noch in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges im April 1945 im KZ Flossenbürg hingerichtet wurde.

Deutlich wurde dabei auch das Anliegen von Katharina Kennemann: Sie möchte das Bild Bonhoeffers wahrhaftig und lebendig halten. Dabei gehe es ihr nicht darum, ihn zu idealisieren („Er ist nicht heilig“, so Kennemann), sondern an einen Menschen zu erinnern, der aus seinem Glauben heraus Verantwortung übernahm und den Mut hatte, für seine Überzeugungen einzustehen.

Besonders beeindruckend war die Haltung, die Frau Kennemann während ihres gesamten Besuchs ausstrahlte. Immer wieder betonte sie ihre große Dankbarkeit dafür, in einer friedlichen Zeit leben zu dürfen. Zugleich äußerte sie den Wunsch, dass dies auch künftig so bleiben möge und dass es weiterhin Menschen geben werde, die – wie Dietrich Bonhoeffer – den Mut besitzen, für Menschlichkeit, Gerechtigkeit und ihre Überzeugungen einzutreten. Ihre Freude am Leben und ihre Dankbarkeit waren für alle Anwesenden spürbar.

Ein Satz von Katharina Kennemann berührte die Schülerinnen und Schüler besonders: „Dass ihr heute hier so interessiert zuhört, das hätte Bonhoeffer gefallen. Dann hätte er gewusst, er ist nicht umsonst gestorben.“

2. v.l. Dietrich Bonhoeffer; 4. v.l. Ursula Bonhoeffer, Urgroßmutter Kathi Kennemanns
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