Im Rahmen unseres Erasmus+-Austauschs verbrachten wir eine Woche in Bueu im Nordwesten Spaniens. Gemeinsam mit spanischen und französischen Schülerinnen und Schülern standen dabei nicht nur das Kennenlernen einer anderen Kultur und das Leben in den Gastfamilien im Mittelpunkt, sondern auch der europäische Austausch, demokratische Teilhabe und das diesjährige Oberthema IKIGAI (IKIGAI ist ein japanisches Konzept und bedeutet frei übersetzt „das, wofür es sich zu leben lohnt“ oder der „Grund, morgens aufzustehen“. Es setzt sich aus den Wörtern iki (Leben) und gai (Wert) zusammen. Im Westen ist es oft als Diagramm mit vier Bereichen bekannt, beschreibt in Japan aber vor allem die Freude an den kleinen Dingen des Alltags, die man für die Gesellschaft aber auch für sein eigenes Leben lernen soll sinnvoll zu nutzen). Durch gemeinsame Projekte, neue Erfahrungen und viele Gespräche konnten wir unseren Horizont erweitern, voneinander lernen und eine Woche erleben, die weit über den normalen Schulalltag hinausging. Am Samstag ging es schon sehr früh los. Noch gar nicht richtig wach, aber hochmotiviert fanden wir uns alle nach unterschiedlichen Wegen am Düsseldorfer Flughafen wieder. Dort wurden eifrig WM-Tippspiele verglichen und die Gastgeschenke (wenn nicht schon bei der Sicherheitskontrolle abgenommen) der jeweils anderen bewertet. Nach einem kurzen Halt in Madrid, der sich zu einer kleinen Weltreise zum nächsten Fast-Food-Restaurant durch alle

Gates entwickelte, kamen wir schließlich halbwegs ausgeschlafen und pünktlich in Vigo an. Die halbe Stunde bis nach Bueu musste für das erste Kennenlernen mit den Gastfamilien ausreichen, denn direkt nach der Ankunft ging es gemeinsam weiter zur Playa. Für die Spanier nichts Besonderes, für uns bei 35 Grad aber ein perfekter Start. Vor allem half dieser erste gemeinsame Nachmittag dabei, schnell ins Gespräch zu kommen und erste Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen unserem Alltag und dem Leben in Spanien kennenzulernen. Die Anspannung, die einige vor dem Treffen mit den Gastfamilien gehabt hatten, war damit schnell verflogen. Selbstbewusst wurden die Spanisch-Kenntnisse ausgepackt und nach einem kurzen Besuch eines örtlichen Handballturniers ging es für die meisten auch schon ins Bett – schließlich wartete am nächsten Tag mit der Insel Ons direkt das erste große gemeinsame Erlebnis.
Dieses sollte nicht enttäuschen: Das Naturschutzgebiet hatte mit dem Leuchtturm, dem Blick auf den offenen Atlantik und dem Strand einiges zu bieten. Ein großes Lob geht auch an unsere Wanderleitung, die trotz Sprachbarrieren und Übersetzungen in mehreren Sprachen dafür sorgte, dass alle die Natur und die Besonderheiten der Insel verstehen konnten. Dabei wurde deutlich, wie wichtig der Schutz solcher Landschaften ist und wie unterschiedlich verschiedene Länder mit ihrer Umwelt umgehen. Die Bootsfahrt zurück entwickelte sich dann – nach weniger als 48 Stunden in Spanien – für einige zum Versteckspiel mit der Sonne, sodass die Kölner Vereinsfarben bereits als Farbverlauf auf manchen Rücken und Nacken zu erkennen waren. Gleichzeitig wurde die Zeit genutzt, um Karten zu spielen, Musik zu machen und sich mit den spanischen und französischen Schülerinnen und Schülern besser kennenzulernen. Nach dem Anlegen musste noch schnell ein Lokal gefunden werden, um das Deutschlandspiel zu verfolgen. Die spanischen Essensgewohnheiten wurden ausprobiert und anschließend trugen wir unsere eigene kleine Beachhandball-WM aus. Gerade dabei entstanden viele neue Kontakte, die im Laufe der Woche immer enger wurden.
Am Montag, unserem ersten richtigen Schultag, ging es direkt Schlag auf Schlag. Nach einer Schulführung bekamen wir einen guten Einblick in den spanischen Schulalltag und konnten viele Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten mit unserem eigenen Schulsystem entdecken. Anschließend wurden wir im Rathaus empfangen und hatten die Möglichkeit, mit dem Bürgermeister ins Gespräch zu kommen. Dabei erfuhren wir nicht nur mehr über Bueu und die Verbindung zu Köln, sondern bekamen auch einen Eindruck davon, wie kommunale Politik funktioniert und welche Rolle demokratische Mitbestimmung vor Ort spielt. Gerade dieser Austausch machte deutlich, dass Demokratie nicht nur im Unterricht stattfindet, sondern vor allem vom Dialog lebt. Direkt danach stand gemeinsam mit den französischen und spanischen Gruppen eine Stadtrallye auf dem Programm, bei der Teamarbeit und Kommunikation gefragt waren. Am Nachmittag zog es uns wieder an den Strand, der in den nächsten Tagen zu unserem gemeinsamen Treffpunkt werden sollte. Wassermelonen, Aioli und kalte Getränke gehörten genauso dazu wie lange Gespräche mit den spanischen und französischen Austauschpartnern. Dabei tauschten wir uns über Schule, Freizeit und Zukunftspläne aus und merkten schnell, dass uns trotz unterschiedlicher Herkunft viele Themen verbinden.
Auch der Ausflug nach Santiago de Compostela blieb in Erinnerung. Anfangs noch etwas skeptisch, folgten wir einem Teil des Jakobswegs und hatten dabei Zeit, die besondere Atmosphäre auf uns wirken zu lassen. Der Weg bot Gelegenheit, über eigene Ziele und Wünsche nachzudenken – passend zum Erasmus+-Leitthema IKIGAI, das uns während der gesamten Woche begleitete. In der Stadt selbst war es so heiß, dass selbst die Motiviertesten ihre Spiele vom Vortag nur noch teilweise fortsetzen konnten. Natürlich blieb auch Zeit zum Shoppen, doch vor allem beeindruckte uns die Kathedrale. Gleichzeitig verstanden wir dadurch besser, warum
unsere spanischen Gäste zuvor den Kölner Dom zwar schön, aber vielleicht nicht ganz so außergewöhnlich empfunden hatten. Solche Perspektivwechsel gehörten zu den spannendsten Erfahrungen des Austauschs.
Der Mittwoch stand ganz im Zeichen der Graduation. Trotzdem hatten die Erasmus-Lehrkräfte ein abwechslungsreiches Programm vorbereitet, bei dem wir viele neue Dinge praktisch ausprobieren konnten. Ob Radiostudio oder 3D-Druck – wir erhielten Einblicke in kreative und innovative Projekte, die an der Schule selbstverständlich genutzt werden. Gerade hier zeigte sich das IKIGAI-Motto besonders deutlich: Neues auszuprobieren, eigene Interessen zu entdecken und vielleicht sogar Talente zu finden, die im normalen Schulalltag sonst verborgen bleiben. Gleichzeitig entstand der Eindruck, dass einige dieser Ideen auch an deutschen Schulen eine Bereicherung wären. Nach den Vorbereitungen für die Graduation machte sich jeder mehr oder weniger schick, bevor der gemeinsame Auftritt auf dem roten Teppich folgte. Ein besonderes Highlight war anschließend das Abendessen in einem Restaurant direkt am Meer, dessen Atmosphäre perfekt zum Schulabschluss passte. Danach wurde im eigens gemieteten Club gemeinsam gefeiert – ein gelungener Abschluss eines ereignisreichen Tages.
Am Donnerstag stand bereits der Abschied von der französischen Gruppe bevor. Zuvor arbeiteten wir jedoch noch gemeinsam an einem Kunstprojekt mit Strandmüll, den wir am Vortag gesammelt hatten. Dabei wurde aus vermeintlichem Abfall etwas Neues geschaffen – ein Projekt, das Kreativität, Nachhaltigkeit und Teamarbeit miteinander verband. Unterschiedliche Ideen und Perspektiven führten zu spannenden Ergebnissen und zeigten, wie gut internationale Zusammenarbeit funktionieren kann. Anschließend ging es noch einmal gemeinsam an den Strand, bevor wir bei einem gemeinsamen Essen auf einer Restaurantterrasse unsere Erasmus+-Urkunden erhielten. Dabei blieb genügend Zeit, auf die vergangenen Tage zurückzublicken und darüber zu sprechen, was jeder aus der Woche mitnimmt. Der emotionale Abschied von den französischen Schülerinnen und Schülern am nächsten Morgen zeigte eindrucksvoll, wie schnell durch Offenheit und gemeinsamen Austausch echte Freundschaften entstehen können.
Am Freitag konnten wir mit einem Graffiti-Workshop gemeinsam mit spanischen Nachwuchskünstlern noch einmal eine ganz andere Seite der Kultur kennenlernen und selbst kreativ werden. Danach blieb Zeit für Strand und Spaziergänge, bevor der Austausch langsam zu Ende ging. Die Verabschiedung von den Gastfamilien zeigte noch einmal, welche enge Verbindung in nur wenigen Tagen entstanden war. Gerade das Leben in den Familien machte den kulturellen Austausch besonders authentisch und ließ uns den spanischen Alltag aus erster Hand erleben. Gleichzeitig wurde deutlich, wie viel wir in dieser Woche über andere Kulturen, aber auch über uns selbst gelernt hatten. Das entsprach genau dem Gedanken von Erasmus+ und dem IKIGAI-Thema: Neues auszuprobieren, den eigenen Horizont zu erweitern und Erfahrungen zu sammeln, die weit über den Unterricht hinausgehen. Auch als deutsche Gruppe sind wir in dieser Woche noch enger zusammengewachsen.
Auf unserem Zwischenstopp in Madrid merkten wir alle, wie schnell die gemeinsame Woche vergangen war. Die erste Hälfte des Deutschlandspiels konnten wir noch im Flugzeug verfolgen, bevor nach der Landung wieder der Sommer in Köln wartete – diesmal allerdings ohne Strand, Meer und Wasser für zwölf Cent. Vor allem nahmen wir viele neue Eindrücke, Freundschaften und Erfahrungen mit nach Hause, die den Austausch zu weit mehr als einer gewöhnlichen Fahrt machten.









